Region Trier

40 Jahre, es reicht!

2008 änderte die Électricité de France (EDF) seine Strategie und beschloss trotz der offensichtlichen Risiken, die durch die Baufälligkeit der Kernreaktoren entstehen, die Laufzeit seiner Anlagen auf 50 Jahre und nicht wie ursprünglich geplant auf 40 Jahre zu verlängern, anstatt neue Kraftwerke zu bauen. Entgegen aller Logik wurde dieses Projekt von einem mehrjährigen Energieprogramm genehmigt, einem strategischen Dokument zur Steuerung der französischen Energiewende, das eine solche Verlängerung für alle Reaktoren (mit Ausnahme von Fessenheim) vorsieht, einschließlich dem Atomkraftwerk in Cattenom. Der Atomkomplex Cattenom befindet sich in der französischen Region Lothringen und ist 12km von der deutschen und 9km von der luxemburgischen Grenze entfernt.

Eine von Greenpeace an einen unabhängigen Experten in Auftrag gegebene Durchführbarkeitsanalyse der Anforderungen zur Verbesserung der Sicherheit dieser Reaktoren zeigt jedoch, dass die Reaktoren hinsichtlich der französischen und internationalen Anforderungen schwerwiegende Sicherheitsmängel aufweisen. Die Studie beweist aber vor allem, dass eine Modernisierung dieser Kraftwerke nicht ausreichen würde um diese Mängel zu beheben, und erhebliche Auswirkungen auf unsere Sicherheit hätte.

Das Saarland liegt in der Hauptwindrichtung und wäre somit bei einem nuklearen Unfall im Atomkraftwerk Cattenom unmittelbar betroffen. In Abhängigkeit der Windrichtung wären die angrenzenden Staaten Luxemburg, Belgien, Rheinland-Pfalz aber auch Frankreich selbst betroffen. Die Ausmaße eines nuklearen Unfalls würden außerdem weitere Teile von Europa ebenfalls betreffen.

Die Entscheidung, die Laufzeit der 900 MWe-Reaktoren im Rahmen ihrer vierten Zehnjahresüberprüfung zu verlängern, wie dies der Fall bei Tricastin wäre, könnte für alle anderen Atomkraftwerke einen Präzedenzfall schaffen. Von welchem wir in ein paar Jahren insbesondere durch die angrenzende Anlage in Cattenom betroffen wären. Zugleich hat das Verfahren zur Untersuchung der Laufzeitverlängerung von 1.300 MWe- Reaktoren, wie in Cattenom, gerade erst begonnen. Ende 2019 veröffentlichte ASN hierzu eine erste, unserer Meinung nach sehr kritikwürdige Position zu den Leitlinien für die generische Phase der vierten periodischen Überprüfung dieser Reaktoren.

Natürlich ist es eine souveräne politische Entscheidung Frankreichs, die Laufzeit von Kernkraftwerken über die ursprünglich festgelegte Zeitdauer zu erneuern, ebenso wie es ihre Wahl ist, die Kernenergie im Allgemeinen zu fördern. Diese Wahl hat jedoch auch Auswirkungen auf angrenzende Länder wie Deutschland und Luxemburg. Der Unfall in Fukushima verdeutlichte, dass wir mit der Atomtechnologie auch das Restrisiko eines Unfalls mit katastrophalen oder sogar existenziellen Folgen in Kauf nehmen...

(der Artikelt ist entstanden mit der freundlichen Unterstützung von Greenpeace)

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