Region Trier

Landwirtschaft

Europäische Bürgerinitiative „Save farmers and bees“

Wie steht der BUND zu den Forderungen der Bauern?

Seit Monaten protestieren Landwirte, um sich Gehör zu verschaffen. Dass die Bauern für das Überleben ihrer Höfe und Unternehmen demonstrieren ist verständlich und legitim. Dass sich ihre Proteste aber vor allem gegen Umweltauflagen richten, ist doch sehr befremdlich und geht an den Ursachen der Probleme vorbei.

Viele landwirtschaftliche Betriebe können von ihrer Arbeit nicht leben. Von den Verkaufserlösen ländlicher Erzeugnisse kommt nur wenig bei den Erzeugern an. Die großen Handelsketten und die Ausrichtung auf den internationalen Wettbewerb drücken die Preise. Dies sind bedenkliche Entwicklungen und wichtige Ursachen für die Misere in der Landwirtschaft. Hier muss sich dringend etwas ändern. Dies darf allerdings nicht zu Lasten von Umwelt und Tierwohl gehen.

Der BUND hat Verständnis für die Demonstrationen. Auch wir finden, Bauern und Bäuerinnen müssen von ihrer Arbeit leben können. Ganz besonders, wenn sie hochwertige Lebensmittel für unsere Ernährung erzeugen. Wie die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich der BUND eine Landwirtschaft, die gesunde Nahrungsmittel produziert, die Tiere artgerecht hält, die Wasser und Böden schont und unsere Artenvielfalt erhält.

Hierfür sollten notwendige Agrarsubventionen eingesetzt werden, statt Masse und Größe zu subventionieren.

Wieso geben immer mehr bäuerliche Betriebe auf - trotz hoher Agrarsubventionen?

Jährlich fließen in Europa fast 60 Milliarden Subventionen in die Landwirtschaft. Trotzdem geht es den Bauern und Bäuerinnen nicht gut - seit Jahren schreitet das Höfesterben fort. In Rheinland-Pfalz gaben die letzten Jahre besonders viele bäuerliche Betriebe auf: 2018 gab es 3840 weniger bäuerliche Betriebe als 2010, das sind mehr als 15% (Quelle: Agrar-Atlas 2019).

Vor allem kleine und mittlere Betriebe müssen aufgeben. Gerade die Betriebe, die durch extensive Bewirtschaftung über Jahrzehnte zur Entstehung der landschaftsprägenden und artenreichen Kulturlandschaften bei uns beigetragen haben. Statt diesen zu helfen, wurden und werden die Agrarsubventionen vor allem an Betriebe ausgezahlt, die viel Fläche besitzen bzw. bewirtschaften. Landwirte erhalten zwischen 250 und 300 € pro Hektar bewirtschaftetes Land – egal, ob sie darauf Weidetiere halten oder ob sie Mais anbauen. Größere Betriebe profitieren aufgrund der Größe stärker von diesen Fördergeldern, obwohl sie meist kostengünstiger produzieren können und deutlich höhere Einkommen erzielen. Kleine und mittlere Höfe mit arbeits- und personalintensiven Produktionsmethoden können da nicht mithalten. Dabei wären sie dringend auf Förderung angewiesen.

Dass die Devise „Wachse oder Weiche“ seit Jahren die Landwirtschaftspolitik bestimmt, ist nicht zuletzt auf die Einwirkungen von Lobbyisten und Funktionären der großen Agrarkonzerne und Bauernverbände zurückzuführen. Deshalb haben die Bauernproteste die falschen Adressaten, wenn sie sich gegen Umwelt- und Naturschutz richten. Vielmehr sollten die Proteste und Forderungen an diejenigen gerichtet werden, die für diese ruinöse Landwirtschaftspolitik verantwortlich sind: Die Funktionäre und Lobbyisten der großen Bauernverbände und die für Agrarpolitik und für Freihandelsabkommen verantwortlichen Politiker. Die Entwicklung in der Landwirtschaft zeigt allzu deutlich, dass die Agrar- und Handelspolitik in die Sackgasse geführt hat, und dringend grundlegend geändert werden muss.

Was hat die Intensivierung der Landwirtschaft mit dem Artensterben zu tun?

Gravierende Folgen der verfehlten Agrarpolitik sind mittlerweile nicht mehr zu übersehen im Landschaftsbild und den Offenlandbiotopen. Früher prägten strukturreiche Kulturlandschaften unsere Gegend. Blühende Wiesen, Weiden und Randstreifen, Streuobst, Wechsel in den Ackerkulturen, Hecken und Bäume zwischen den Feldern sowie unbefestigte Feldwegen boten ein abwechslungsreiches und buntes Bild. Doch die „Fluren wurden bereinigt“ - im wahrsten Sinne des Wortes. Mittlerweile wird die Landschaft (auch bei uns) immer stärker geprägt durch großflächige Monokulturen zwischen denen es nur noch wenige, meist befestigte Wege gibt. Das Grünland ist dank intensiver Bewirtschaftung nur noch grün – ohne Blumen und blühende Gräser.

Die Intensivierung der Nutzung geht außerdem einher mit einem erheblichen Einsatz von Düngemitteln: Gülle, Gärreste, synthetische Dünger – seltener Mist. Da Monokulturen besonders beliebt sind bei (spezialisierten) „Schädlingen“, werden verschiedenste Insektizide eingesetzt und gegen die unerwünschten Beikräuter hochwirksame Herbizide.

Mit gravierenden Folgen, wie dem dramatischen Insektensterben und deutlichem Rückgang vieler Vögel des Offenlandes. Studien zufolge hat die Insektenmasse in den letzten Jahrzehnten um bis zu 75% abgenommen. Viele Schmetterlinge und Wildbienen sind vom Aussterben bedroht, weil ihre Lebensräume und ihre Nahrung fehlen und durch den Einfluss der einzelner Insektizide. Mit ihnen verschwinden auch die Vögel und Säugetiere unserer Agrarlandschaft. Die durch extensive Landnutzung entstandenen, besonders artenreichen Lebensräume (z.B. artenreiche Wiesen und Weiden, Heiden, Magerrasen) sind kaum noch vorhanden. Insgesamt ist der Biodiversitätsverlust in der durch intensive Landwirtschaft geprägten Landschaft besonders hoch.
Hier besteht dringender Handlungsbedarf!

Wie wirkt sich die Landwirtschaft auf Klima und Wasser aus?

Auch viele Jahre nach Verabschiedung der europäischen Nitratrichtlinie (1991!) und der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wird die angestrebte Wasserqualität auch in unserer Region vielfach nicht erreicht. Verursacht unter anderem auch durch die Intensivierung der Landwirtschaft: Wenn auf Felder und Wiesen mehr Dünger ausgebracht wird, als die Pflanzen verwerten können, wird der überschüssige Stickstoff ausgewaschen und gelangt als Nitrat ins Wasser. Das Gleiche passiert, wenn der Dünger nah am Gewässerrand ausgebracht wird oder wenn zur falschen Zeit gedüngt wird. Viele unserer Bäche und Seen, aber auch Grundwasser, leiden an hohen Nitrateinträgen aus der Landwirtschaft.

Zusätzlich gelangen Pestizide durch Abtrift oder Ausschwemmen und auch Antibiotika aus der Massentierhaltung in unsere Gewässer. Daher müssen Wasserwerke immer häufiger das Trinkwasser teuer aufbereiten oder mit sauberem Wasser mischen, damit die geforderte Trinkwasserqualität erreicht wird. Die Kosten trägt die Allgemeinheit.

Deutschland wurde von der EU mehrfach aufgefordert, die EU-Richtlinien in nationales Recht zu überführen und wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität zu ergreifen. Da dies bisher nicht ausreichend erfolgt ist, hat die EU-Kommission erfolgreich gegen Deutschland geklagt. Wegen der unzureichenden Wasserqualität und den unzureichenden Aktionspläne dagegen drohen jetzt beträchtliche Strafzahlungen von mehr als 800 000 € pro Tag. Auch diese Kosten wird der Steuerzahler tragen müssen und nicht die Verursacher.

Die Anpassung des Düngerechts – gegen die sich der Protest einiger Landwirte richtet - ist also längst überfällig. Es darf nicht sein, dass deutlich mehr Gülle oder Gärreste ausgebracht werden, als die Pflanzen benötigen. Auch muss dringend darauf hingewirkt werden, dass die Dünger direkt oder innerhalb kürzester Zeit in den Boden eingearbeitet werden, damit nicht große Mengen in die Luft entweichen oder ausgeschwemmt werden.

Wichtig wäre auch, dass die Viehbestände an die vorhandene Fläche angepasst werden, damit die überschüssige Gülle nicht hunderte Kilometer weit transportiert wird, um sie dann auf bisher extensiv bewirtschaftete Flächen auszubringen und die vorhandenen Biotope zu zerstören. Über solche Gülletransporte in unsere Gegend wird immer wieder berichtet.

Nicht zuletzt sollten wirksame Abstandregeln zu Gewässern eingeführt werden, damit der ausgebrachte Dünger auf dem Acker und nicht mehr direkt in den Bächen landet.

Deshalb gehen die Forderungen der Landwirte in die falsche Richtung. Der BUND fordert dringend die überfällige Reform der Agrarpolitik und die Unterstützung einer umwelt- und naturschonenden Landwirtschaft.

Auch die Landwirtschaft muss einen Beitrag zur Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen leisten. Zum Beispiel durch die Förderung extensiver Weidehaltung, die zum Erhalt der Wiesen und Weiden als CO2-Senke beiträgt. Durch den Verzicht auf Futtermittelimporte, für die Regenwald abgeholzt wird, die in klimaschädlichen Monokulturen angebaut werden und die über Tausende Kilometer transportiert werden. Aber auch durch die Förderung von Boden schonendem und Humus aufbauendem Ackerbau, der zur erhöhten Kohlenstoffspeicherung im Boden beiträgt. Auch die regionale Vermarktung sollte vorrangig unterstützt werden. Massentierhaltung und Massenproduktion in Monokulturen – gepaart mit Überproduktion und Lebensmittelverschwendung - dürfen nicht lohnender sein als die regionale Erzeugung von Nahrungsmitteln.

Deshalb fordert der BUND eine Kehrtwende in der Agrarpolitik, die den Bäuerinnen und Bauern ebenso gerecht wird wie der Umwelt und der Natur.

Öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen:

  • Für den Schutz von Umwelt und Natur.
  • Für Boden schonende und erhaltende Bearbeitungsmethoden.
  • Für den Schutz unseres Wassers.
  • Für den Erhalt der Biodiversität in der Agrarlandschaft.

 

>> Statt Agrarsubventionen in Milliardenhöhe ohne spezielle Gegenleistung nur nach der bewirtschafteten Fläche auszuschütten … sollten Bauern und Bäuerinnen einen Ausgleich für Ertragseinbußen erhalten, wenn dieser durch aufwändige und die Umwelt schonende Methoden zustande kommt.
>> Statt große Viehbestände zuzulassen, wenn nicht ausreichend Land zur Verfügung steht … sollte der Viehbestand an die vorhandene Fläche gekoppelt werden.
>> Statt quälender Massentierhaltung auf viel zu engem Raum mit Futterimporten und massivem Einsatz von Antibiotika … sollten artgerechte Tierhaltung (u.a. auch durch Weideprämien) und Biohöfe gefördert werden.
>> Statt weiterhin Überdüngung mit Gülle und Gärresten, Gülletransporte über hunderte Kilometer und die Verunreinigung unseres Wassers zu zu lassen … sollte eine wirksame Düngeverordnung endlich dafür sorgen, dass Düngemittel bedarfsgerecht nur in den Acker ausgebracht und eingearbeitet wird.
>> Statt Energiepflanzenmonokulturen zu fördern … sollten für die Energiegewinnung nur pflanzliche Reststoffe und Abfälle verwertet werden.
>> Statt immer wieder umwelt- und gesundheitsschädliche Pestizide zu zu lassen … sollten alternative Anbaumethoden wie Mischkulturen und Fruchtfolgen stärker gefördert werden.
>> Statt der fortschreitenden Intensivierung des Grünlandes … sollte der Erhalt artenreicher Wiesen und Weiden stärker honoriert werden.
Quelle: Agraratlas 2019 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique
Quelle: Agraratlas 2019 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique
Quelle: Agraratlas 2019 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique
Quelle: Agraratlas 2019 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique
Quelle: Agraratlas 2019 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique

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